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Finnland und das Baltikum

 

Meist wird Finnland den skandinavischen Ländern Norwegen, Schweden und Dänemark zugeordnet, doch seine nächsten Nachbarn sind die Staaten des Baltikums: Litauen, Lettland und Estland. Erst seit 1991 wieder unabhängig von der Sowjetunion, stehen diese Länder jedoch noch selten auf dem Reiseplan von Touristen. Diese Episode begleitet den Traveller Neil Gibson auf seiner Reise durch die baltischen Länder nach Finnland.

 

Die Erkundungstour beginnt in Wilna, der Hauptstadt Litauens.

 

Wilna, über 600 Jahre alt, ist die größte und wohl schönste Stadt des Baltikums. In ihr findet sich auch eines der originellsten Wahrzeichen der Befreiung von russischer Herrschaft: Auf dem Hinterhof eines alten Fabrikgeländes liegen sowjetische Statuen, die bei der Erklärung der Unabhängigkeit abgebaut wurden. Sogar Lenin ist hierher verbannt. Dennoch leben in Wilna immer noch rund zwanzig Prozent Russen. Und auch der große Flohmarkt, auf dem sich alles ergattern lässt, was man zum Leben brauchen kann, wird noch von Russen beherrscht. Gezahlt wird allerdings in harten Dollars.

 

Die Unabhängigkeit des Baltikums brachte auch die alten heidnischen Bräuche wieder zum Blühen, die unter den Sowjets verboten waren. Auch wenn die Bewohner Litauens zum Großteil katholisch sind, feiern sie noch ihre alten Feste und halten an uraltem Glauben fest. In der kleinen Stadt Kernave wird das Mittsommernachtsfest mit besonderer Pracht gefeiert. Die Lebenskraft der Natur hat ihren Höhepunkt erreicht, und die Balten verabschieden die Sonne, in alte Tracht gekleidet und geschmückt mit Blumenkränzen.

 

Am nächsten Punkt der Reise befindet sich das katholische Gegenstück: Die kleine Stadt Siaulai ist bekannt für ihren "Berg der Kreuze". Seit 500 Jahren kommen die Menschen hierher und bringen Kreuze aller Größen und Formen, die sie als Zeichen ihrer Freude oder ihrer Hoffnung aufstellen oder an andere Kreuze hängen. Niemand vermag diese Kreuze mehr zu zählen. Vermutlich sind es mehrere Millionen, die ein ganz eigenes Loblied singen, wenn der Wind durch sie fährt - eine einzigartige Verschmelzung von christlichem Glauben und heidnischen Brauchtum.

 

Die Reise geht weiter nach Lettland. Das erste, was Neil Gibson hier kennen lernt, ist eine Sommer-Bobrennbahn. 1.200 Meter lang, mit vielen steilen Kurven, durch die man mit annähernd 100 Stundenkilometern hindurchrast. Diesem Reiz kann er sich nicht entziehen. Das Vergnügen ist groß, auch wenn es nur knapp eine Minute dauert. Dann ist Riga erreicht, die Hauptstadt Lettlands. In dieser Stadt vermischen sich lettische mit deutschen und russischen Einflüssen, was der Stadt ihren besonderen Reiz gibt: Riga wird das "Paris des Ostens" genannt. Auch hier ist eine der Attraktionen der große Markt, auf dem sich das Leben abspielt. Schon der Ort ist reizvoll: ein alter Zeppelin-Hangar aus Ersten Weltkrieg.

 

15 Kilometer außerhalb Rigas liegt das ehemalige Konzentrationslager Salaspils. Die Inschrift am Eingang, "Hinter diesem Tor stöhnt die Erde", ist Ausdruck des Leids, das viele hunderttausend Menschen hier erleben mussten. Im Innern steht ein großer Betonblock, ein riesiges Metronom, dessen gleichmäßiger Schlag an den Herzschlag all derer erinnern soll, die hier ihr Leben lassen mussten.

 

Nächstes Ziel der Reise ist Setumaa in Estland, Zentrum der Kultur der Setus, die eine eigene Sprache, eine eigene Tracht und eigene Bräuche besitzen. Bei einem traditionellen Gesangswettbewerb kann man die prachtvollen Trachten bewundern. Ein gutes Angebot für Reisende sind die günstigen Übernachtungsmöglichkeiten auf Bauernhöfen. Für wenig Geld kann man hier nicht nur ein vorzügliches Bauernfrühstück erhalten, sondern auch die Landbevölkerung und ihre Arbeitsweisen kennen lernen. Neil Gibson muss erst lernen, wie man eine Blutwurst macht, bevor sie beim gemeinsamen Essen verspeist wird. Für einen Traveller sind solche Stationen ein ganz besonderer Reiz: Hier lernt er am meisten über Land und Leute.

 

Auf der größten der estländischen Inseln, Saaremaa, lebt ein ganz besonderer Einheimischer: der Schamane Vigala Sass. Der ehemalige Arzt bedient sich seit 30 Jahren nur noch jener Heilmethoden, die im absoluten Einklang mit der Natur stehen. Die Rituale, die er ausführt, erinnern an Bilder aus Afrika. Kaum zu glauben, dass man so etwas ausgerechnet im nördlichsten Eck Europas findet.

 

Noch ein kurzer Besuch in der mittelalterlichen Altstadt von Tallinn, der Hauptstadt Estlands, dann geht es per Schiff zum 80 Kilometer entfernten Finnland. Hier erlebt man beinahe einen kleinen Kulturschock, denn nun befindet man sich wieder völlig in westlicher Umgebung. Von der Hauptstadt Helsinki führt die Reise noch bis an den östlichsten Punkt: Karelia. In den tiefen Wäldern gibt es sogar noch Bären, doch der sogenannte Bärenpfad ist hauptsächlich ein Wanderweg für naturbegeisterte Touristen. Eine Kanufahrt auf den wunderschönen Flüssen schließt einen eindrucksvollen Urlaub ab, der Neil Gibson durch vier Länder mit einzigartiger Kultur und atemberaubender Landschaft führte.

 

 

 

 

Text © klack.de | Bilder © pilotguides.com

 

 

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Season: 5
Folge: 08
Land: Finnland, Estland, Lettland und Litauen
Traveller: Neil Gibson

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Fotos aus dieser Episode

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